Die 1977 eingeführte B77 wurde auf Basis der erfolgreichen A77 weiterentwickelt und zu einer der begehrtesten Bandmaschinen. Entwickelt von Marino Ludwig und designt von Manfred Meinzler bietet sie technische Neuerungen und eine höhere Benutzerfreundlichkeit. Mit etwas Aufmerksamkeit und den richtigen Ersatzteilen lassen sich Altersschwächen beheben und der B77 ein zweites Leben schenken.

Auf der Werkbank steht eine B77 mit den typischen altersbedingten Problemen:
- Antriebsriemen für Zähler spröde
- Motor-Kondensatoren laufen aus
- Trimmer oxidiert oder gebrochen
- Tape Sensor defekt
- Elektrolyt-Kondensatoren ausgetrocknet
- Relais schalten nicht mehr sauber
- weiche oder verflossene Andruckrolle
- oxidierte Kontakte der Dreh- und Kippschalter und der Schaltleiste
- Getriebe des Zählwerks defekt
- Backlights der VU-Meter defekt
- Nadel der VU-Meter hängt fest
- Hauptsicherung defekt

Vorbereitung
Vor der Revision ist es sinnvoll einen Eingangstest zu machen, um einen ersten Eindruck des Zustandes zu erhalten. Um diese Fehlerquelle bereits auszuschliessen, prüfe ich davor die Andruckrolle und reinige alle Tonköpfe, die Capstanwelle und Bandläufe.
Achtung beim Handling: In einigen Serien befinden sich im Kunststoff des Griffs Lufteinschlüsse, die zu einem plötzlichen Bruch führen können. Zur Sicherheit trägt man die B77 also besser nicht am Griff.
Revision der Platinen
Auf den Platinen ersetze ich altersanfällige elektronische Bauteile wie Elektrolyt-, Tantal- und X2 Filterkondensatoren, Trimmer, Gleichrichter und Relais. Die neuen Trimmer stellt man am besten mittig ein, damit läuft die B77 auch uneingemessen relativ gut. Die grösseren Transistoren sind allfällig für kalte Lötstellen, deshalb löte ich sie jeweils nach. Zwischen den Lötarbeiten versuche ich mit Zwischentests zu verhindern, dass allfällige Fehler am Schluss mühsam gesucht werden müssen.
Ich beginne mit den fünf gesteckten Audioplatinen und arbeite mich dann weiter über die Drehzahlregelung und die Laufwerksteuerung bis zum etwas schwerer zugänglichen Netzteil. Um dessen Schrauben zu erreichen, eignet sich ein besonders langer Schraubenzieher und der richtige Winkel. Mit etwas Geschicklichkeit und Vorsicht, um die verlöteten Kabel nicht abzubrechen, können auch hier die üblichen Bauteile getauscht werden. Zum Schluss überprüfe ich die Sicherungen am Netzteil und die Hauptsicherungen auf Wert und Funktion. Bei den zwei zusätzlichen Platinen der MKII ersetze ich jeweils auch die X2 Filterkondensatoren und Trimmer.
Motorkondensatoren
Hinter dem schwarzen Netzanschlussfeld findet man die Motorkondensatoren, aus denen manchmal bereits eine klebrige schwarze Masse (Teer) austritt. Die Werte (3.5 µF und 4.5 µF) sind keine Normwerte und somit schwer zu finden. Wir machen gute Erfahrungen mit 4 µF resp. 5 µF. Etwas mehr Hitze und dickes Lötzinn helfen die Kabel an den dicken Pins sauber anzulöten.
Da das Netzanschlussfeld nun sowieso bereits gelöst ist, bietet es sich an, gerade den dahinter verbauten X2 Filter zu ersetzen.

Kontakte reinigen
Um an die Kontakte zu gelangen, muss die Bedieneinheit abgeschraubt und zerlegt werden. Der Aufwand lohnt sich aber, denn mit der Reinigung der Kontakte kann ein merklich angenehmeres Bedien- und Hörerleben erreicht werden. Schritt für Schritt löse ich dafür alle Kabel und Schrauben, bis die Audio-Verbindungsplatine mitsamt VU-Meter und Metallabdeckung frei ist. Nun ist es wichtig, die Schalter zuerst von der Metallabdeckungsseite zu lösen – so lässt sich die Audio-Verbindungsplatine mitsamt den Schaltern befreien.
Jetzt kann man Schalter für Schalter abschrauben (Vorsicht Plastikgewinde) und die Kontakte reinigen. Dafür verwende ich jeweils ein sauberes Mikrofasertuch und zuerst Kontakt 60, dann Kontakt 61.
Um die B77 danach sauber einzustellen, ist es wichtig, dass auch die Kontakte an der Schaltleiste gut poliert sind. Dafür ziehe ich die Schaltleiste vorsichtig auseinander und befreie den losen Teil der Leiste mit der Bürstchen und Leiterplatinenreiniger von Staub und Dreck. Um den auf der Platine verbauten Teil der Schaltleiste zu reinigen, hilft mir jeweils ein zurechtgeschnittenes Stück Radiergummi, bevor dann wieder Kontakt 60 und 61 zum Zug kommen.

Cinch-Buchsen
Die von ReVox verbauten Cinch-Buchsen stehen sehr nahe zusammen, was mit den eckigen ReVox Stecker gut aufging. Mit den neuen und zumeist runden Cinch-Stecker kann dies aber zu Platz- und somit Kontaktproblemen führen. Ausserdem oxidiert die Silberbeschichtung der alten Buchsen stark, weswegen mit einer Goldbeschichtung ein guter Kompromiss gefunden wird.
Die neuen Cinch-Buchsen können entweder wieder mit Nieten befestigt werden oder angeschraubt werden. Noch etwas Verdrahtungskunst und Vorsicht beim Löten an den Signallaschen (zu langes erhitzen könnte die Kunststoffbestandteile schmelzen und zu einem Kurzschluss führen) und der Umbau ist vollbracht.
Zählwerk
Wenn das Zählwerk mechanisch noch funktioniert, aber nicht mitläuft, ist sehr wahrscheinlich der Antriebsriemen spröde geworden und gebrochen. Auch falls er noch ganz ist, macht es Sinn ihn und den Zahnriemen zu ersetzen.
Sie möchten Ihre B77 selber revidieren? Hier gehts zu unserem Reparatursatz – viel Spass!
Hier gehts zur Revision der A77.








